Dienstag, 30. August 2016

Rezension: »Die Küche ist zum Tanzen da« (Marie-Sabine Roger)

Rezension zu »Die Küche ist zum Tanzen da« von Marie-Sabine Roger im Atlantik Verlag Es gibt nur sehr wenige Autoren, von denen ich jeden neu erschienenen Roman sofort kaufen würde, ohne vorher zumindest einen kurzen Blick auf den Klappentext geworfen zu haben. Marie-Sabine Roger ist eine davon. Seit »Das Labyrinth der Wörter« mich vor fünf Jahren schon nach wenigen Seiten in seinen Bann gezogen hatte, fand auch jedes neue Werk von ihr einen Platz in meinem Regal und in meinem Leserherz.

Auch ihr neuestes Buch »Die Küche ist zum Tanzen da«, das vor ein paar Monaten im Atlantik Verlag erschienen ist, lockte mich wieder mit dem hübschen weißen Cover, enthält aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern keinen zusammenhängenden Roman, sondern vierzehn einzelne Kurzgeschichten. Darin sorgt ein Findelkätzchen für die Verwandlung seiner schüchternen Besitzerin, zwei Engel bringen einer Frau das Fliegen bei und eine Tür zwischen zwei Gärten eröffnet viel mehr als nur den Blick auf das Gras dahinter. Aber kann Marie-Sabine Roger damit genauso überzeugen wie in der Langform? Marie-Sabine Roger »Die Küche ist zum Tanzen da« Inhalt Kurzgeschichten

Anders und anders gut

In ihren Romanen wie »Der Poet der kleinen Dinge« und »Heute beginnt der Rest des Lebens« begeistert Marie-Sabine Roger vor allem durch auf die eine oder andere Art ungewöhnliche Protagonisten, die im Laufe vieler Kapitel eine Entwicklung durchmachen müssen, um am Ende ihr persönliches Glück im Leben zu finden – kurz: durch Geschichten, die unserem eigenen Glücksstreben meistens nicht ganz unähnlich sind. Ich liebe sowohl die skurrilen und schrulligen Charaktere als auch ihre Erlebnisse auf dem Weg durch die amüsant und einfühlsam erzählten Geschichten.

In der Kürze der kleinen Episoden in »Die Küche ist zum Tanzen da« bleibt für eine derartige Entwicklung aber kaum Platz. Vielmehr zeigen sie dem Leser kurze Momentaufnahmen aus dem Leben ihrer Protagonisten; in aller Kürze lernt man Menschen kennen, erhascht einen Blick auf ihre Lebenswelten, lauscht ihren Gedanken und Gefühlen, aber auch Sorgen, Ängsten und Wünschen. Es sind kleine Alltäglichkeiten, von denen Marie-Sabine Roger erzählt. Es werden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert, Umzüge organisiert, neue und alte Lieben gepflegt. Gerade dadurch wurden die Texte für mich greifbar, die Figuren zu Bekannten.

»Endlich jemand, mit dem ich reden kann, der mir nie widerspricht, dem ich alle meine Geheimnisse anvertrauen kann, sogar die, die ich erfunden habe ...«
aus der Geschichte »Murphys Gesetz«, S. 35
Die wenigen Geschichten, die ihre Protagonisten dennoch eine stärkere Veränderung durchmachen lassen wie etwa die zweite Erzählung »Murphys Gesetz«, empfand ich im Vergleich hier sogar als weniger gelungen. Die Handlung erschien mir darin zu sprunghaft und zu krampfhaft um eine Aussage bemüht. Glücklicherweise sind diese Texte die Ausnahme. Wesentlich besser gefielen mir die Geschichten, die die kleinen Momente festhalten, über die man mal den Kopf schütteln, mal Mitleid empfinden und manchmal – wie in der letzten Geschichte »Die Theorie vom Hund auf dem Baum« – auch einfach ungläubig die Stirn runzeln kann.

»Sieht sie denn nichts? Wirklich nichts?
Oder ist das der Preis der Liebe? Aber warum liebt sie sie denn nur so sehr?«
aus der Geschichte »Éliette und Léonard«, S. 9
Die Figuren selbst hat die Autorin wie immer interessant und detailliert gezeichnet, sodass man auch in der Kürze der Geschichten das Gefühl hat, den Menschen oder zumindest eine Seite von ihm persönlich kennenzulernen. So werden die einzelnen Texte auch nie langweilig. Im Fall von »Éliette und Léonard« habe ich die Geschichte inzwischen so oft gelesen, dass sich die beiden nicht nur wie ein echtes altes Ehepaar, sondern auch fast wie Familienmitglieder anfühlen. Marie-Sabine Roger »Die Küche ist zum Tanzen da« Anfang »Es wird nie dunkel in der Stadt«

Von Alter, Beziehungen und anderen Handicaps

Thematisch kreisen viele der vierzehn Kurzgeschichten um das Alter und das Altwerden, das die Protagonisten auf ganz unterschiedliche Weise wahrnehmen. Während es für den einen das Ende bedeutet, fängt für den anderen das Leben mit dem Renteneintritt oder dem Einzug ins Altersheim erst an.

Durch diese verschiedenen Nuancen der Betrachtung lassen die Geschichten auch dem Leser viel Raum für eigene Gedanken und das Nachdenken über die eigenen Sichtweisen. Wie wollen wir selbst alt werden, worauf wollen wir zurückblicken können? Und was bedeutet das Altwerden für uns? Sehen wir es als Feind, der uns die Gesundheit raubt und uns Tag für Tag mehr dem Ende unseres Lebens entgegenführt, oder begrüßen wir es als Freund, der uns neue Freiheiten schenkt, die wir als junger Mensch mit Familien- und Arbeitspflichten vielleicht nicht haben? Und wie gehen wir selbst mit älteren oder auch kranken Mitmenschen und Familienmitgliedern um? Besuchen wir sie zu selten, sollten wir uns öfter einfach mal mit ihnen unterhalten? Ist es vielleicht manchmal gar nicht so sehr das Wie, sondern viel mehr das Dass, auf das es ankommt?

»Man muss Leiden nur benennen, und schon nehmen sie allen Raum ein. Schon verschwinden die Menschen hinter ihnen. Man wird zu einem Diabetes, einer Osteoporose, einem Tumor. Zu einer Diagnose.
Einer Prognose.«
aus der Geschichte »Teerose«, S. 128

Schwarz und Weiß und das Dazwischen

Die kurzen Geschichten zeigen uns, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Die Küche kann ein Ort der Arbeit sein, aber ebenso gut ein Ort der Familie, der Freude und des Tanzens. Genauso geht das Buch mit Themen wie Alter, Krankheit und unterschiedlichsten Beziehungen um: Alles liegt im Auge des Betrachters, des Lesers.

So wirken die Geschichten insgesamt etwas ernster und nachdenklicher als die Romane der Autorin, aber auch in »Die Küche ist zum Tanzen da« gibt es neben dem locker-frechen, trotzdem einfühlsamen Schreibstil immer wieder Momente und Sätze zum Schmunzeln, sodass es nie zu bedrückend wird. Dazu tragen auch die überraschenden Schlusspointen bei, welche die Sicht des Lesers oft plötzlich noch einmal erweitern oder sogar völlig umkehren, sodass sich innerhalb weniger Sätze ein neues Gesamtbild ergibt. Mit den Kurzgeschichten ist es also wie mit dem Leben selbst: Der erste Eindruck kann täuschen. Und vieles wird uns erst klar, sobald wir uns einmal damit beschäftigen.



Marie-Sabine Roger
Die Küche ist zum Tanzen da

Die Geschichten erschienen im Original in den Bänden »Les encombrants«, »Il ne fait jamais noir en ville« und »La théorie du chien perché«

übersetzt von Claudia Kalscheuer
Atlantik, 1. Auflage/2016
Hardcover
190 Seiten
ISBN: 978-3-455-60028-5

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Weiterführende Links:

Verlagsseite mit Leseprobe zu »Die Küche ist zum Tanzen da«
Zum Reinlesen: Die erste Kurzgeschichte »Éliette und Léonard« als E-Book
Leseempfehlung: »Das Labyrinth der Wörter« (Rezension)

Freitag, 19. August 2016

Neue Bücher im Regal

Nachdem ihr im letzten Beitrag gesehen habt, was ich in den Monaten meiner Blogpause so gelesen habe, zeige ich euch heute, welche neuen Bücher in der Zeit bei mir eingezogen sind. Denn natürlich konnte ich in dieser Zeit trotzdem nicht ganz an Buchhandlungen vorbeigehen. Neue Bücher: Erna Sassen: Das hier ist kein Tagebuch (Verlag Freies Geistesleben); Margit Auer: Die Schule der magischen Tiere (Carlsen Verlag); Isabel Abedi: Die längste Nacht (Arena Verlag) Die ersten drei Bücher zogen alle einzeln hier ein. Dabei ist es ziemlich selten, dass ich mit nur einem einzigen Buch aus einer Buchhandlung wieder rausgehe. Aber in den letzten Monaten hat mich kaum ein Buch dazu bewegen können, es direkt mitzunehmen.

»Die längste Nacht« von Isabel Abedi war da eine echte Ausnahme. Aber bisher hat mich die Autorin noch nie enttäuscht – ich hoffte beim Kauf also natürlich darauf, dass das auch so bleibt. »Das hier ist kein Tagebuch« von Erna Sassen fiel mir vor allem durch das schlichte, fast schon nackte schwarze Cover auf. Zwischen den ganzen Glitzercovern mit Gesichtern auf den Jugendbuchtischen sticht das richtig hervor! Inzwischen habe ich den recht dünnen Roman auch schon gelesen – wer sich für das Thema Depressionen bei Jugendlichen interessiert, sollte sich das Buch einmal näher anschauen.

Außerdem kam noch »Die Schule der magischen Tiere« vom Carlsen Verlag bei mir an. Ich nehme hin und wieder an den Marktforschungsumfragen von Carlsen teil, wofür man dann oftmals ein kleines Dankeschön vom Verlag zugeschickt bekommt. So habe ich schon das eine oder andere Buch entdeckt, das ich sonst in der Buchhandlung wohl nicht erstöbert hätte. Ich bin schon gespannt, ob mich die magischen Tiere wohl auch begeistern können! Neue Bücher: Anders Johansen: Das schwarze Loch in mir (Beltz & Gelberg); Stephen Davies: Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu (Aladin Verlag); Bonnie-Sue Hitchcock: Der Geruch von Häusern anderer Leute (Königskinder Verlag) Diese drei Schätze durften dann aber zusammen in mein Regal wandern. Bei einem spontanen Besuch in meiner Lieblingsbuchhandlung lagen sie nämlich alle drei auf dem Jugendbuchtisch und fielen mir so kurz nacheinander in die Hände.

»Das schwarze Loch in mir« hat mich vor allem wegen des Titels angezogen. Nach dem Lesen des Klappentextes musste ich das Buch dann kaufen – ich mag Bücher mit ›etwas anderen‹ Protagonisten. Außerdem verspricht das Buch eine ganz spannende Geschichte zu erzählen. »Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu« sprang mir dagegen wieder wegen des schlicht gehaltenen Covers ins Auge. Dazu ein Thema, wie es aktueller nicht sein könnte und das sich aus dem Cover schon erahnen lässt. Zu guter Letzt kam dann noch »Der Geruch von Häusern anderer Leute« dazu. Das Krönchen des Königskinder Verlags auf dem Cover ist für mich schon fast ein Garant für ein gutes Buch, noch dazu ist mir der Titel schon einige Male in begeisterten Rezensionen begegnet. Beides zusammen ließ sich nur schwer ignorieren. ;) Neues Buch: Hazem Ilmi: Die 33. Hochzeit der Donia Nour (Blumenbar Verlag) Und das letzte Buch in der munteren Runde kam auf ganz besondere Art zu mir: per Fanpost! Ein lieber Leser – danke RoM! – hatte mir »Die 33. Hochzeit der Donia Nour« aus dem Blumenbar Verlag in den Kommentaren zu meinem letzten Blogpost empfohlen und dann kurzerhand zukommen lassen. Ich bin mir recht sicher, dass ich auf das Buch ansonsten wohl kaum aufmerksam geworden wäre und bin nun schon umso mehr gespannt aufs Lesen.

Habt ihr auch tolle Buchtipps parat, auf die man sonst nicht so leicht stößt? Dann schreibt sie mir gerne in die Kommentare! Ich freue mich über jeden Geheimtipp. :)

Freitag, 12. August 2016

Montag, 1. August 2016

Lebenszeichen vom Planeten Ei

Test, Test, eins zwei drei ... Ist das Ei zu hören? Ja? Gut!

Erschrocken habe ich vor Kurzem festgestellt, dass der letzte Beitrag hier tatsächlich schon ganze fünf Monate her ist. Umso mehr wird es jetzt Zeit, dass sich hier wieder etwas tut.

Was hat das Ei eigentlich so lange gemacht?

Im März und April hatte mich ein wenig das Leben oder eher der Job überrollt, sodass zum Bloggen einfach kein Elan mehr übrig war. Auch das Lesen verlor in dieser Zeit ziemlich an Reiz, alles war irgendwie nur noch anstrengend und machte keinen Spaß mehr. Im Mai legte sich der ganze Trubel etwas, aber zu berichten gab es durch die Leseflaute nicht viel und die Blogpause tat mir auch mal ganz gut. Außerdem kam mein Kopf in dieser Zeit etwas zur Ruhe, mir wurden einige Dinge bewusster – vor allem meine eigenen Wünsche. So traf ich die eine oder andere Entscheidung für mich und meine Zukunft. Seit Juni bin ich nun dabei, mich in diese Entscheidungen einzuleben, und auch, wenn manch einer in meinem Umfeld eher skeptisch darauf reagiert hat, fühle ich mich derzeit sehr, sehr wohl damit.

Auch die Lust auf meine Hobbys, die mir im letzten Jahr völlig abhanden gekommen war, kehrt so langsam wieder zurück. Aktuell betrifft das eher das Zeichnen und Malen, aber ich bin zuversichtlich, dass auch die Lust aufs Schreiben wiederkommen wird. Immerhin gehen mir beim Lesen wieder Gedanken für Rezensionen durch den Kopf, was mich besonders freut. Denn gerade das Rezensieren fehlt mir doch sehr – auch eine Sache, die mir in den letzten Wochen bewusst geworden ist. Zu guter Letzt hat mir der plötzlich in meiner Twitter-Timeline aufgetauchte Hashtag #thepowerofblogs gezeigt, wie gerne ich (wieder) ein Teil dieser Power wäre.

Und wie sieht es lesetechnisch aus?

Gelesen habe ich seit Ende Februar natürlich trotzdem ein wenig, hauptsächlich Titel, die schon länger auf meinem Lesestapel lagen. Zwölf Bücher und ein paar kurze E-Books sind zusammengekommen. Viele davon sind mir allerdings nicht wirklich im Gedächtnis geblieben.

Die Stadt der besonderen Kinder von Ransom Riggs und Was die Spiegel wissen von Maggie Stiefvater habe ich hauptsächlich deshalb gelesen, weil es Fortsetzungen von Reihen sind, die ich schon angefangen hatte. Leider können mich die Raven Boys aus Henrietta aber immer noch nicht so mitreißen wie die anderen Bücher von Maggie Stiefvater. Auch Panic von Lauren Oliver ging eher so an mir vorbei – scheinbar liegen mir die Geschichten der Autorin einfach nicht, immerhin fand ich auch Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie seinerzeit nur so sperrig wie seinen Titel.

Überraschend interessant fand ich dagegen Coole Nummer – Als ich der Größte war von Jason Raynolds, das eher ein Zufallskauf war, und Das unsichtbare Mädchen von Charis Cotter. In beiden Büchern sind mir die Protagonisten ziemlich schnell ans Herz gewachsen. Im wahrsten Sinne des Wortes ›merkwürdig‹ dagegen waren Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen und Am tiefen Grund, das ich erst letzte Woche gelesen habe. So recht weiß ich immer noch nicht, was ich von beiden Büchern halte.

Außerdem vom SuB weggelesen habe ich Alles so leicht von Meg Haston, Alles, was ich von mir weiß von Adele Griffin, Das zweite Leben des Cassiel Roadnight von Jenny Valentine, Vielleicht sogar wir alle von Marie-Aude Murail und die beiden E-Books Christophers Universum und Wie Julian es sah von R. J. Palacio, zwei kleine Randgeschichten zum Buch Wunder. Am meisten gefreut habe ich mich aber über Die Küche ist zum Tanzen da von Marie-Sabine Roger, von der ich bis jetzt jedes Buch verschlungen habe. Eine Rezension dazu folgt in Kürze. :)

Damit habt ihr also auch schon einen kleinen Ausblick darauf, wie es hier demnächst so weitergeht. So, und jetzt sagt mir mal, dass ihr mich wenigstens ein bisschen vermisst habt, damit ich mich hier nicht mehr so schrecklich alleine fühle! :P

Sonntag, 28. Februar 2016