Freitag, 7. Oktober 2016

Vierzehn für einen Abend – ein Lesungsbericht

Du stehst vor der Tür. Du schaust dich um.
Eine Tür mitten in Berlin, düster, darüber ein kleines rotes Schild, darauf ein Buchstabe. Z wie Z-Bar. Darunter ein Blatt, mit Klebestreifen auf einen Aufsteller geklebt. Buchpremiere, heute Abend.
Außer dir ist noch keiner da. Du bist zu früh, es ist noch nicht mal halb acht, du hast noch eine halbe Stunde Zeit. Läufst noch mal um den Block, gehst dann aber doch rein, weil du keine Lust mehr zum Laufen hast.
Drinnen gibt es so wenig Licht wie vor der Tür, in Grün diesmal. An der Wand ein Projektorbild mit Zebras, hinter der Bar ein Fernseher und Ameisenrauschen. Du gönnst dir eine Cola, dann gehst du. Nach hinten.
»Ist noch keiner da«, sagt einer, den du für einen Mitarbeiter hältst, als du an ihm vorbeiläufst. Setzt dich trotzdem hin. Zweite Reihe, alte Klappsitze. Gemütlich, denkst du. Wie im Kino. Vorne das Buchcover auf der Leinwand, darauf groß »Tamara Bach« und »Vierzehn«. Ein Tisch mit Stuhl und Lampe und einer Flasche Wasser. Zur Linken das Buch und eine Sonnenblumenvase. Im Hintergrund hörst du Gemurmel. Eine Unterhaltung, vielleicht die Autorin, immerhin geht es um Bücher und Lesen und Schreiben. Was ein Autor so macht, denkst du. Machst ein Foto von der Leinwand, das du online mit allen teilst, die nicht hier sind.
Dann geht es los, der Raum füllt sich, Klappsitze quietschen, Gemurmel, Gespräche und du mittendrin lehnst dich zurück, weil du schon sitzt, deinen Platz schon gefunden hast.
Irgendwo läuft Musik. Du brauchst eine Weile, bis du kapierst, dass die nicht zum Programm gehört. Alle anderen auch. Irgendjemand entschuldigt sich, schaltet ein Handy aus, Lachen. Das Eis ist gebrochen. Auch du lachst, bist aber froh, dass es nicht dein Handy war. Irgendjemandem ist das jetzt peinlich.
Die Lektorin steht vorne, sagt was von Titel als Lebensgefühl und keine überflüssigen Worte und erste öffentliche Lesung aus dem Buch, dann wird es ruhig und du wartest darauf, dass das Licht ausgeht und Werbung mit zu lautem Ton abgespielt wird wie im Kino. Aber das sagst du nicht, denkst du nur. Passiert auch nicht. Tamara Bach vorne räuspert sich, sagt zwei Sätze zum Buch. Sagt, dass die erste Idee aus einem Namen und einer Zahl bestand. Beh und vierzehn. Sagt, dass sie nach einer Woche alles über Beh wusste. Gruselig, denkst du, und stellst dir vor, jemand würde alles über dich wissen. In einer Woche. Du möchtest keine Romanfigur sein.
Die Autorin schlägt ihr Buch auf. Am Rand bunte Post-it-Zettel und Büroklammern. Könnte deins sein. Den Text kennst du. Du hast das Buch gelesen, schließlich bist du vorbereitet. Du weißt sogar, wie es unter dem Schutzumschlag aussieht, dass es darunter nicht nur langweilig grün ist, dass es da was zu entdecken gibt. Tamara Bach liest. Erste Seite. Das weißt du, weil es um Elefanten geht. Du fragst dich, was Elefanten mit allem zu tun haben, und denkst an die Zebras draußen an der Wand. Zebrastreifen auf Mauersteinen. Aber weiter kommst du nicht, inzwischen geht es ums Aufstehen, um Mütter und Töchter und Busfahrten. Angenehme Stimme, denkst du. Sympathisch.
Du sitzt wieder in der Schule. Erster Tag nach den Sommerferien. Sieben Stunden, Mathe, Deutsch, Englisch, Kunst, Ethik. Dazwischen Mittagspausen. Dazwischen das wahre Leben. Neunte Klasse, das ist Jahre her.
»Geht's noch?«, fragt Tamara Bach in deine Gedanken. Nippt an ihrem Wasserglas. Mitten im Kunstunterricht. Hat gerade deine Lieblingsszene gelesen, die mit den Mülltonnen. Von den anderen im Raum nur gemurmeltes Ja und Hmm. Geht also noch. Sind vielleicht auch in Gedanken. An ihre neunte Klasse. Ihr eigenes Vierzehn.
Die Autorin liest weiter, quer durch das Buch. Am Ende ist eine Stunde vergangen. Hast du gar nicht gemerkt. Hat sich nach weniger angefühlt. Das war in der Schule anders.
Du gehst aus dem Raum. Die anderen stehen für das Buch an, das du schon längst gelesen hast. Du setzt dich an die Bar und bestellst noch eine Cola, weil du noch keine Lust hast, nach Hause zu gehen. Du schaust nach den Zebras, aber die sind nicht mehr da. Kurz ärgerst du dich, weil du das Buch vor der Sonnenblumenvase nicht fotografiert hast, aber als du zurückgehst, hat jemand das Buch gegen eine Bierflasche ausgetauscht. Das Motiv macht sich nicht so gut auf deinem Blog. Dafür denkst du an Beh, die im Buch verlassene Orte fotografiert. Die ihre Freundinnen nicht mehr versteht. Die neue Bekanntschaften macht und ein neues Schuljahr wie ein neues Leben anfängt. Für einen Abend warst du wieder vierzehn, warst du Beh.
Aber du bist froh, dass es nur für einen Abend war. Eine Stunde. Dass du das Alter hinter dir hast.
Du schmunzelst.
Dann trinkst du aus und gehst nach Hause.


Wenn euch der Schreibstil hier nicht abgeschreckt oder sogar gefallen hat, solltet ihr auch einen Blick auf »Vierzehn« von Tamara Bach werfen! Zu finden bei Carlsen.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Für die S(ch)atzkiste #209

»Jemanden zu lieben ist, als würde man in ein Haus einziehen«, sagte Sonja immer. »Am Anfang verliebt man sich in all das Fremde, man ist jeden Morgen aufs Neue erstaunt, dass es einem plötzlich gehört [...]. Aber mit den Jahren bröckelt die Fassade, das Holz reißt hier und da auf, und man fängt an, die Macken an diesem Haus zu lieben. Da kennt man bereits alle verborgenen Ecken und Winkel. Man weiß, was man tun muss, damit der Schlüssel nicht im Schloss stecken bleibt, wenn es draußen kalt wird. Welche Dielen etwas nachgeben, wenn man darauftritt, und wie man die Kleiderschranktüren so öffnet, dass sie nicht knarren. Und das sind all die kleinen Geheimnisse, die es eben genau zu deinem Zuhause machen.«
Fredrik Backman: »Ein Mann namens Ove«

Donnerstag, 22. September 2016

Gewinnspielauslosung – Wer gewinnt sein Wunschbuch?

Gewinnspiel zum 5. Bloggeburtstag: Wunschbuch im Wert von 20 Euro zu gewinnen Es ist soweit: Die Geburtstagswoche des Büchereis ist vorbei und das Gewinnspiel ausgelost. Bevor ich euch aber verrate, wer der oder die Glückliche ist und bald das gewünschte Wunschbuch in den Händen halten kann, möchte ich zuerst mal danke sagen:

Danke für die vielen Glückwünsche zum Ei-Geburtstag, eure rege Teilnahme am Gewinnspiel und die damit verbundenen tollen Buchtipps, die ich mir bald noch mal ganz genau anschauen werde. Wer weiß – vielleicht wandert das eine oder andere eurer Wunschbücher auch bald auf meine eigene Wunschliste. So ein Wunschbuchgewinnspiel ist ja auch nicht ganz uneigennützig. ;)

Aber nun zu dem, was euch sicher am meisten interessiert: der Gewinner! Und auf das Wunschbuch im Wert von bis zu 20 Euro darf sich freuen ...

Bettina (Bettinas Büchergarten)!


Herzlichen Glückwunsch, liebe Bettina, du bekommst gleich eine E-Mail von mir. :) Und für alle, die dieses Mal kein Glück hatten: nicht traurig sein. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt!

Dienstag, 13. September 2016

Gewinnspiel zum 5. Bloggeburtstag – Gewinne dein Wunschbuch!

Gewinnspiel zum 5. Bloggeburtstag: Wunschbuch im Wert von 20 Euro zu gewinnen Das Bücherei feiert heute, am 13. September, schon seinen sage und schreibe

fünften Bloggeburtstag!

Kaum zu glauben, dass der erste Tag meines Blogs, der erste geschriebene und veröffentlichte Beitrag, das erste Fotoshooting mit Buck dem Bücherei schon so lange her ist. So viele Beiträge habe ich getippt, gefühlt genauso viele Blogdesigns ausprobiert, bevor ich eines davon lieben lernte, und mich über Likes, Kommentare und E-Mails gefreut. Denn das Bloggen macht natürlich vor allem deshalb so viel Spaß, weil ich dabei nicht allein bin. Und deshalb ist ein halbrunder Bloggeburtstag die beste Gelegenheit, um meinen Lesern – euch – danke zu sagen!

Zum Geburtstag kann man sich ja gerne mal etwas wünschen, aber Buck ist in seiner Eierpackung eigentlich ganz zufrieden und hat dort drin sowieso keinen Platz für viele Geschenke. Deshalb drehe ich den Spieß einfach um und erfülle einem oder einer von euch einen Wunsch:

Gewinne dein Wunschbuch im Wert von bis zu 20 Euro!


Und so nehmt ihr am Gewinnspiel teil:

Hinterlasst bis zum Dienstag, 20.09.2016 einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag, in dem ihr mir zwei einfache Fragen beantwortet:

Welches Buch im Wert von bis zu 20 Euro wünscht ihr euch – und warum gerade dieses?

Der Gewinner wird von mir ausgelost und bekommt das Wunschbuch, das er in seinem Kommentar genannt hat, zusammen mit einer kleinen Überraschung per Post zugeschickt.

Übrigens: Parallel verlost das Bücherei bei Facebook ein zweites Wunschbuch. Verdoppelt eure Gewinnchance, indem ihr an beiden Gewinnspielen teilnehmt!

Teilnahmebedingungen

  • Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich 20.09.2016. Die Auslosung des Gewinners findet am 21.09.2016 statt.
  • Das Wunschbuch muss lieferbar und über den stationären Buchhandel bestellbar sein.
  • Teilnehmen kann jeder mit einem Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
  • Teilnehmer, die unter 18 Jahre alt sind, benötigen für die Teilnahme die Zustimmung ihrer Eltern.
  • Der Gewinner wird per Losverfahren zwischen allen Teilnehmern ausgelost, die die oben gestellten Fragen beantwortet haben.
  • Der Gewinner wird nach der Auslosung von mir benachrichtigt. Stellt deshalb bitte sicher, dass ich euch auch erreichen kann! (Wenn ihr eure Mail-Adresse nicht öffentlich posten möchtet, könnt ihr mir eine E-Mail mit einer Kopie eures Kommentars an das-buecherei@gmx.de schicken.)
  • Sollte ich den Gewinner nicht benachrichtigen können oder keine Antwort erhalten, verfällt der Gewinn und wird neu ausgelost.
  • Im Falle eines Gewinns werde ich euch nach eurer Postadresse fragen. Eure Daten werden ausschließlich für die Zusendung der Gewinne verwendet und von mir nicht gespeichert oder weitergegeben.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Sollte das Wunschbuch weniger als 20 Euro kosten, wird der Restbetrag nicht ausgezahlt oder kompensiert.
  • Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.

Montag, 12. September 2016

Etwas Spontanes, etwas Überraschendes und ein bisschen blaues Papier – die Neuen in meinem Bücherregal

Herrenlose Tiere, die einem unerwartet zulaufen, nimmt man auf und gibt ihnen ein gutes Heim. Mit Büchern geht das auch. Das habe ich in der letzten Woche mal wieder ausprobiert – klappt ganz gut. ;) Neu eingezogen sind deshalb ganz spontan diese Schätzchen: Bei einem ungeplanten Besuch in einer meiner Stammbuchhandlungen habe ich »Greenglass House« von Kate Milford im Regal entdeckt. Und Cover samt Titel passen nicht nur wunderbar zu meiner Wohnzimmerwand, das Buch verspricht laut Klappentext auch noch ziemlich spannend zu werden: Neben einem alten, abgelegenen Schmuggler-Gasthaus und lauter seltsamen Gästen mitten im Winter sind auch noch rätselhafte Fälle von verschwundenen Gegenständen aufzuklären. Da darf man gespannt sein. Wenn das Buch genauso schön ist wie der hübsch gestaltete Schutzumschlag mit den vielen winzigen Bilddetails, dann bin ich zufrieden. Mein Freund, mit dem ich am liebsten durch Buchhandlungen stöbere, weil er fast genauso buchverrückt ist wie ich, fand dann noch diesen Schatz im Regal. Uns fiel zuerst ein dreibändiger Schuber mit Grimms Märchen aus dem Reclam Verlag auf. Daneben stand dann diese Ausgabe von Knaur, die uns noch viel besser gefiel: Laut Beschreibung enthält das Buch die bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm, wir stellten aber schon beim Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses fest, dass wir viele davon gar nicht (mehr) kennen. Schön sind auch die Illustrationen von Ruth Koser-Michaëls, die an traditionelle Märchenbücher von früher erinnern und auch sehr gut zur – zum Glück – kaum modernisierten Sprache passen. Nett auch: In derselben Aufmachung gibt es bei Knaur noch Märchen von Hans Christian Andersen, Wilhelm Hauff und Märchen aus 1001 Nacht. Da werden die Grimms wohl nicht lange allein in unserem Regal bleiben. Noch ein Buch, das mir zufällig in die Hände fiel, ist »Der Hund, der zu träumen wagte« von Sun-Mi Hwang. Zufällig deshalb, weil es neben einem anderen Buch – »Der Gast im Garten« von Takashi Hiraide – lag, das ich bereits gelesen und seinerzeit sehr gemocht habe, gerade wegen der ruhigen, stillen Geschichte, die es erzählt. Das schneeweiße Cover daneben stach dann aus der bunten Masse drumherum so heraus, dass ich das Buch neugierig in die Hand nehmen musste. Der Klappentext verspricht ›eine Fabel über Liebe und Verlust, über Vertrauen und Enttäuschung und darüber, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier kleiner ist, als man meint‹ – na, ich bin gespannt. Und zuletzt fand ich am Samstag in meinem Briefkasten noch ein Geburtstagsgeschenk. Hmm, Geburtstag? Der ist doch eigentlich im Januar ... gut, der Bloggeburtstag vom Bücherei steht an, aber das konnte doch wohl auch kaum der Anlass für das hübsch in blauem Papier eingeschlagene Geschenk sein (die hübsche Verpackung könnt ihr auf Instagram bewundern). Aufklärung lieferte netterweise die beigelegte Karte: Edel Books feiert mit dem Buch »Erika Mustermann« heute den Geburtstag der bekanntesten Durchschnittsdeutschen, deren Name bis 1997 die Musterpersonalausweise zierte. Und weil in jedem von uns ein bisschen von Erika Mustermann steckt, dürfen wir heute auch alle ein kleines bisschen Geburtstag feiern. Da sagen wir doch nicht nein, oder? ;)